Editorial Haben wir verlernt Herausforderungen gemeinsam zu lösen?
Dienstag, 20. Oktober 2026
Info 11-26

Seit einigen Tagen beschäftigen sich die die Bundesregierung tragenden Parteien, mal wieder möchte man sagen, hauptsächlich mit sich selbst. Genauer mit den Umgangsformen untereinander. Dabei wird mit Schuldzuweisungen nicht gespart, auch nicht mit solchen, die zumindest am Rande dessen sind, was man sich öffentlich vorhalten sollte. Ist es wirklich so schwer auf professionellem Niveau miteinander auszukommen? Meinungsverschiedenheiten, auch hinter verschlossenen Türen und nicht über die Medien miteinander auszudiskutieren und um den Kompromiss argumentativ zu ringen? Ist den Handelnden nicht bewusst, dass abgesehen von den großen Problemen vor denen Deutschland, Europa, ja die ganze Welt stehen und die gelöst werden müssen, ein öffentlich ausgetragener Kommunikationsstreit auf die Gesellschaft abfärbt. Es ist nicht damit getan zu sagen wir müssen unsere Politikvorhaben besser erklären, sie dann aber ohne Diskussion oder Änderung umzusetzen. Ein brennendes historisches Rathaus in Frankreich, geplünderte Luxusläden in Mailand und Wahlergebnisse in Deutschland zeigen mehr als deutlich, was die Regierten davon halten.
Leider hat sich die Form der eingeschränkten bzw. Non-Kommunikation auch im Bereich der Gesundheitspolitik durchgesetzt. Warum werden alle Gesprächsangebote der in der Patientenversorgung stehenden wirklichen Experten von der Regierung und den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern ausgeschlagen? Warum gelingt es nicht die Vorschläge für Adaptationen eines Gesetzentwurfes wenigstens anzuhören? Warum werden Änderungen an zu beschließenden Gesetzen in der Nacht vor der Beschlussfassung in Details geändert, die selbst unter Anwendung von KI kaum bis zur Abstimmung als solche zu erkennen sind? Und warum ist solches Vorgehen inzwischen durchgehend zur Regel geworden und nicht eine Ausnahme? Glauben die so Handelnden wirklich damit ihre Vorhaben auf breiter Basis durchsetzen zu können? Die aktuellen Warnungen der KBV sowie verschiedenster Spitzenverbände wie auch des SpiFa vor den Auswirkungen des BStabG im kommenden Jahr sprechen eine andere Sprache.

Allerdings haben sich diese neuen Formen der Kommunikation inzwischen auch in der Selbstverwaltung und unter uns Ärztinnen und Ärzten selbst festgesetzt. Warum gelingt es in den sogenannten dreiseitigen Gesprächen von KBV, GKV-SV und DKG seit Jahren nicht sektorenübergreifende Versorgung (Stichwort Hybrid DRGs) zu organisieren, so dass sie jetzt wieder abgeschafft werden? Warum gelingt es auch der Bundesärztekammer nicht, die auf breiter Front vorgebrachten Vorbehalte gegen die geplante GOÄ-Reform aufzunehmen und einzubinden? Warum stehen Haus- und Fachärzte einander unversöhnlicher denn je gegenüber? Warum schaffen es auch die Fachärzte nicht geeint aufzutreten und so ein stabiles Gegengewicht zu den übrigen Playern im Gesundheitswesen zu schaffen?

Um nicht falsch verstanden zu werden: natürlich müssen Entscheidungen gefällt werden und können nicht durch endlose Diskussionen immer weiter hinausgezögert werden. Auch werden weitreichendere Entscheidungen immer schmerzlich sein, bei der einen Seite mehr, bei der anderen weniger. Dennoch ist „Basta“-Mentalität keine Alternative, Berechenbarkeit und Transparenz erforderlich und bei aller Fülle der Themen eine ausreichende Beschäftigung mit der Materie zwingend notwendig für den nachhaltigen Erfolg. Nicht alle Errungenschaften der europäischen Kultur sind rühmenswert, die Besinnung auf den Diskurs als Basis der Demokratie ist es allemal.
Mein Aufruf gilt daher einmal mehr auch unserer Community der Radiologinnen und Radiologen. Lassen Sie uns gemeinsam für unser Fach, vor allem aber für die von uns geleistete Versorgung der Patientinnen und Patienten einstehen. Unabhängig vom Ausbildungsstand, unabhängig von der Organisationsform im ambulanten oder stationären Bereich und unabhängig von der Spezialisierung.
Der BDR steht als Plattform hierfür bereit gemeinsam mit der DRG und den Partnern im SpiFa unsere Interessen als Radiologie, aber auch als Fachärztinnen und Fachärzte zu vertreten! 

Prof. Dr. Hermann Helmberger
Präsident